Folgeschwangerschaft: was du tun kannst, um Ängste in Zuversicht und Freude zu verwandeln

„Ich hatte eine Fehlgeburt und bin wieder schwanger. Leider schaffe ich es nicht, eine Bindung zu meinem ungeborenen Kind aufzubauen. Ich traue mich nicht, mich ihm voll und ganz zuzuwenden, aus Angst, dass es wieder schief geht. Das macht mich sehr traurig.“„Die Angst, so einen Schmerz und eine Enttäuschung noch einmal zu erleben, lähmt mich total. Ich kann keine Freude über meine Schwangerschaft empfinden.“

Solche und ähnliche Kommentare höre ich oft in meiner Praxis, wenn ich mit schwangeren Frauen arbeite, die negative Erfahrungen mit vorangegangenen Schwangerschaften bzw. Geburten gemacht haben.

Als eine meiner Töchter nach zwei Fehlgeburten mit Zwillingen schwanger war, lebte sie in ständiger Angst vor einem weiteren Verlusterlebnis. Eines Tages bat sie mich, mal meinen „Hokus-Pokus“ bei ihr anzuwenden. So nennt sie liebevoll die Methoden, mit denen ich arbeite. In einem sehr entspannten Zustand visualisierte sie ihre beiden Kinder. Sie stellte sich vor, wie behaglich sie sich fühlten, vielleicht am Daumen nuckelten oder mit ihren Fußzehen spielten. Dann sagte sie ihnen, wie sehr sich alle auf die ihre Ankunft freuten, dass sie von Herzen willkommen waren und ihre Mama alles dafür tun würde, dass sie gesund und behütet heranwachsen konnten. Und sie fragte auch: „was braucht ihr, was wünscht ihr euch, damit es euch gut geht?“ Nachdem sie ihren innigen Dialog mit den beiden beendet hatte, schlug sie die Augen auf und sagte zu mir: „Es fühlt sich an, als hätte ich vorher Eisenbänder um meinen Bauch gehabt. Die sind jetzt aufgesprungen und von mir abgefallen. Ich fühle mich so leicht, so zuversichtlich!“ Ab da konnte meine Tochter ihre Schwangerschaft in vollen Zügen genießen – auch wenn sie zwischendurch mit Schmerzen zu kämpfen hatte. Vor allem war ihre Angst der Zuversicht gewichen, dass alles gut werden würde. Und das wurde es. Die Zwillinge kamen zwar acht Wochen vor Termin auf die Welt, waren aber rundum gesund und entwickelten sich rasant. Jetzt kommen sie schon in die Vorschule ….

Wenn Du in Deiner jetzigen Schwangerschaft mit Ängsten aufgrund traumatischer Erfahrungen zu kämpfen hast, kann es unter Umständen wichtig sein, zunächst Dein Trauma mit einer darauf spezialisierten Fachperson zu verarbeiten, bevor Du die hier angebotenen Vorschläge umsetzen kannst.

Was kannst Du für eine entspannte, angstfreie Schwangerschaft tun?

Regelmäßig für Entspannung sorgen

Nimm Dir mindestens einmal täglich 20 – 30 Minuten (oder mehr) Zeit nur für Dich.  Stelle alle Telefone aus. Sorge dafür, dass Du in dieser Zeit ungestört bist. Mache es Dir bequem – im Liegen oder Sitzen ,- schließe die Augen und spür in Dich hinein. Scanne Deinen Körper ab: An welchen Stellen ist er angespannt, wo spürst Du unterschiedliche Temperaturen oder auch Schmerzen? Juckt oder spannt Deine Haut irgendwo? Beobachte nur, ohne zu urteilen.

Wie atmest Du? Schnell, langsam, nur im Brustraum oder auch in den Bauch hinein? Dann versuche, an den verspannten Stellen loszulassen. Kontrolliere auch, ob du die Zähne zusammenbeißt. In dem Fall öffne deinen Mund ein wenig und tippe mit der Zungenspitze an den oberen Gaumen. Nun versuche, langsam und tief zu atmen. Fülle Deinen Bauch mit viel Luft und atme dann ein wenig länger aus als ein. Wenn dabei die Gedanken durch Deinen Kopf flitzen, lasse sie ziehen und konzentriere Dich immer wieder auf Deinen Atem und auf das, was Du im Körper spürst.

Wenn Du sehr unruhig und verkrampft bist, fang mit 10 Minuten täglich an und steigere Deine Entspannungszeit nach und nach auf mindestens eine halbe Stunde.

Sprich mit Deinem Partner und/oder einer vertrauten Person über Deine Gefühle

Suche Dir jemanden, der hauptsächlich zuhören kann und Deine Emotionen ernst nimmt, ohne Deine Ängste noch zu verstärken. Halte Dich fern von Menschen, die Dir ungebetene Ratschläge geben und ganz besonders von denen, die Dir unbedingt ihre eigenen Horrorgeschichten zum Thema Schwangerschaft und Geburt erzählen wollen!

Webe den Herzensfaden und gehe in den Dialog mit Deinem Baby

Ein Embryo ist zwar körperlich noch nicht ausgereift, aber seine Seele ist voll entwickelt. Wenn Dir das bewusst ist bzw. Du das glauben kannst, wird es Dir umso leichter fallen, mit der Zeit die Signale Deines Ungeborenen zu erkennen. So könnt ihr beide schon während der Schwangerschaft eine wunderbare Bindung aufbauen. Dein Bauchzwerg kann Dir jederzeit „mitteilen“, wie es ihm geht und was er/sie braucht.

Wenn Du gut in die Entspannung findest, kannst Du Deine „Special Time“ jetzt für diese Mutter-Kind Kommunikation nutzen. Stelle Dir zunächst vor, Du knüpfst ein Seil, ein Band, eine Kordel oder einen Faden (was Dir am besten gefällt) von Deinem Herzen zum Herzen Deines Babys. Wähle spontan die Farbe für diese Verbindung; am besten diejenige, die Dir ohne großes Nachdenken sofort einfällt. Selbst, wenn Du Dich über Deine Wahl wundern solltest: Sie wurde von Deinem Unterbewusstsein gewählt und hat eine Bedeutung. Du musst sie aber nicht wissen. Falls es Dir noch schwerfällt, selbst eine Farbe zu imaginieren, schlage ich Dir rosa vor. Rosa steht u.a. für Sanftheit, Zartheit, Hingabe bedingungslose Liebe und Selbstliebe.

Dieses Band zwischen Dir und Deinem Kind löst sich nie wieder. Es ist elastisch und sehr belastbar, reißt nie und kann sich unendlich verlängern – auch über tausende von Kilometern hinweg. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Sag Deinem Baby, dass ihr jetzt für immer inniglich verbunden seid, selbst wenn ihr einmal räumlich getrennt sein müsst. Über diesen Faden schickst Du Deinem Kind Deine Botschaften und Deine Gefühle. Der Liebesfaden hilft Euch, in noch so schwierigen Situationen den Kontakt zueinander nicht zu verlieren oder – sollte es sich kurzzeitig doch einmal so anfühlen – ganz schnell wiederherzustellen.

Frag Dein Kleines, wie es ihm geht, was es braucht, was es sich von Dir wünscht. Je mehr Du diesen inneren Dialog übst, umso eher wirst Du die Antworten Deines Kindes „spüren“.

Eine Freundin bekam während ihrer ersten Schwangerschaft leichte Blutungen und spürte wiederholtes Ziehen im Unterbauch. Ihr Frauenarzt teilte ihr mit,dass sich die Schwangerschaft nicht halten lassen würde, falls das noch ein paar Tage anhielte. Das war in den Siebziger Jahren. Heute würde wahrscheinlich (hoffentlich) medizinisch mehr für sie getan werden, als lediglich so eine beängstigende Aussage zu machen. Meine Freundin hatte gerade an einer Geburtsvorbereitung teilgenommen, während der auch Kontakt mit dem Ungeborenen aufgenommen und so kommuniziert wurde, wie ich es oben beschrieben habe. Die werdende Mama setzte sich darauf zu Hause hin, kehrte sich mental nach innen und fragte ihre Tochter: „was soll ich tun, damit du bleibst?“ Es kam recht schnell die Antwort: „Ich wünsche mir, dass du aufhörst, dir ständig Sorgen zu machen. Deine Gefühle vermitteln mir, dass es nicht sicher ist auf dieser Welt.“ Ihre Mama fing danach an, „Gedankenhygiene“ zu betreiben: Sie beobachtete und überprüfte ihr Denken auf seinen Wahrheitsgehalt. Schritt für Schritt änderte sie es mehr in Richtung Vertrauen, Annahme und Zuversicht. Täglich erzählte sie ihrem Baby, wie sehr es willkommen sei, dass sie es bedingungslos liebte, es im Arm wiegen und ihm die Welt zeigen wollte. Schon nach dem ersten „Dialog“ hörten die Beschwerden auf und ihre Tochter kam gesund zur Welt.

Stimmungsschwankungen sind normal, ob während der Schwangerschaft oder im „normalen“ Leben. Dein Baby lernt damit schon im Mutterleib etwas für seine Zukunft. Je nachdem, wie Du mit Deinen Gefühlen umgehst, werden für Dein Kleines bereits Grundsteine für seine zukünftige Resilienz – seine geistig/seelische Widerstandskraft – gelegt.

Es schadet also dem Ungeborenen nicht, wenn Du hin und wieder mal traurig, wütend oder verzweifelt bist. Wichtig ist, ob diese Gefühle anhalten oder vorübergehen. Eine ständige Angst der Mutter aktiviert permanent Stresshormone und prägt im Baby das Gefühl „die Welt ist gefährlich“. Oder es startet ins Leben mit dem Gefühl „ich muss um bzw. gegen alles kämpfen.“ Entsprechend wird es sich dann eventuell verhalten und niemand versteht, warum.

Du siehst: Körper, Geist und Seele sind voneinander untrennbare Mitglieder eines Teams. Sie hängen voneinander ab und beeinflussen sich gegenseitig. Während der Schwangerschaft ist das Team Deines Bauchzwerges in Dein „Mutter-Team“ integriert. Es interagieren quasi 6 Anteile miteinander. Je harmonischer das abläuft, umso größer werden die Chancen auf einen guten Verlauf und eine wunderschöne Geburt. Sollte es unterwegs doch einmal schwierig werden, habt ihr bereits eine gute Grundlage für die bestmögliche Zusammenarbeit geschaffen.

Ich kann Dich nur ermutigen, ab sofort für ausreichend Entspannung zu sorgen, den Herzensfaden zu knüpfen und täglich mit Deinem Baby zu sprechen.

Alles Liebe für Dich, Dein Baby und Deine Familie